Tipps für die Einrichtung eines heimischen Proberaums

Ein Eigenheim ist nicht nur ein Gebäude, um darin zu leben. Es ist immer auch ein Hort, um eigene Hobbys auszuleben. Doch wenn diese mit Schlagzeug, E-Gitarre und Co. zu tun haben, gibt es einiges zu beachten.


Proberaum Zuhause 1

Wer musiziert, braucht einen Proberaum. Der wohl beste und dauerhaft günstigste liegt direkt im eigenen Zuhause.

Proberaum Zuhause 2

Es ist nicht nur die Personalisierbarkeit, die den Heim-Proberaum attraktiv macht. Es ist auch das nur so enorm spontane Musizieren.

Griff zum Instrument

In vielen Regionen sind musikalische Proberäume ein rares Gut. Wo es viele gibt, sind sie meist auch stark nachgefragt. Umgekehrt findet man in ländlicheren Gegenden solche Einrichtungen oft nur in gewisser Entfernung.

Ein Eigenheim-Proberaum ist dagegen natürlich der Goldstandard. Wenn alles, was man zum Musizieren benötigt, dort einsatzbereit steht, wo man wohnt, wird dieses Hobby niedrigschwelliger – es kann ja direkt zuhause losgelegt werden. Ohne Fahrten, ohne Ausrüstungs-Geschleppe.

Primär ist das komfortabel. Allerdings darf man nicht ignorieren, welchen Wert es für die musikalischen Qualitäten hat. In einem sorgsam eingerichteten Heim-Proberaum kann man sooft und lange spielen, wie man möchte - vorausgesetzt man stört niemanden.

Ein weiterer Vorteil: Längst nicht jeder Proberaum gehört nur einem Musiker bzw. einer Band allein. Oft genug werden Räumlichkeiten geteilt, was Risiken für Schäden, Unordnung etc. birgt, deren Urheber sich kaum herausfinden lassen.


Schon beim Bau berücksichtigen

Wie zahllose ehemalige Industriegebäude, Bunker und dergleichen beweisen, kann jeder Raum zu einem Proberaum umgewandelt werden. Wer jedoch als Musiker baut, tut gut daran, diese Nutzung von Anbeginn zu integrieren.

Hauptgrund dafür: Es ist direkt möglich, den Raum so zu gestalten, dass er ideale akustische Umgebungsbedingungen offeriert. Er lässt sich auch mit geringerem Aufwand so dämmen, dass man mitunter nicht mal im eigenen Haus – geschweige denn bei den Nachbarn – etwas mitbekommt.

Um diesen Weg zu gehen, kann man mithilfe seiner Baupläne einen speziellen Raumakustikrechner mit Daten bestücken.  Dieses Tool verrät dann, wie hoch die akustische Güte des Raumes ausfällt, wie viel Schall er absorbiert, wie lange der Nachhall andauert. Auf diese Weise kann man das Zimmer gezielt gestalten und ausstatten – Stichwort Boden- und Deckenmaterialien.


Muss es der Keller sein?

Für viele Leser manifestiert sich wahrscheinlich gerade der Keller als Umgebung für diesen Raum vor dem inneren Auge. Allerdings muss man dazu einiges bedenken.

Vorteile Keller:

  • Der Raum liegt (Hanglagen ausgenommen) zu einem Gutteil unter Erdniveau. Er hat durch die Erdmassen ringsherum eine gute inhärente Schalldämmung.
  • Der Keller wird häufig nur als Stau- bzw. Arbeitsraum genutzt, es sind nur geringere Störungen der Wohnräume zu befürchten. Ungleich zu Zimmern in anderen Etagen bedeutet die Proberaum-Nutzung auch keine Wohnraum-Abstriche.
  • Im Sommer ist es (Stichwort Abwärme) simpler, einen Kellerraum zu kühlen.

Damit dies allerdings funktioniert, benötigt der Keller auch einige Gegebenheiten, die über die Standard-Vorgaben hinausgehen:

  • Der Keller muss als Aufenthaltsraum genehmigt sein. Damit einher geht in den meisten Landesbauverordnungen eine lichte Mindestraumhöhe von 2,30 Metern.
  • Diese 2,30 Meter sind jedoch zu wenig. Selbst mit sämtlichen Schalldämm-Installationen sollten 2,50 Meter nicht unterschritten werden; der Keller muss also tiefer ausgehoben werden.
  • Die (Innen-)Wände bzw. Decke, zumindest des eigentlichen Proberaumes, sollten von Grund auf mit einer höheren Schallisolation konstruiert werden, um Störungen weiter zu vermindern.
  • Der Raum selbst sollte nach Möglichkeit im Keller an einer Stelle liegen, deren Außenwand nicht in Richtung von Nachbargebäuden zeigt. Ist das unumgänglich, sollte das am weitesten entfernte Nachbarhaus gewählt werden.

Im Endeffekt bedeutet das folgendes: Man sollte seinen Architekten/Bauträger frühzeitig in der Planungsphase davon in Kenntnis setzen, dass ein Proberaum vorgesehen ist. Nur dann kann konsequent gestaltet werden. Mitunter sollte auch ein Akustiker hinzugezogen werden.


Und andere Räume?

Bauen ohne Keller liegt wegen der Kostenersparnis im Trend – ohne dass damit weitere Vorteile verbunden wären. Wer dennoch auf das Untergeschoss verzichten möchte, muss für den Proberaum Abstriche machen bzw. umdenken:

  • Fast so gut wie der Keller ist ein Proberaum in einem Anbau des Hauptgebäudes oder der Garage, benötigt wegen der überirdischen Konstruktion jedoch ein Mehr an Dämm-Aufwand.
  • Dachgeschosse sind wegen der Dachform und den deshalb erschwerten Schallreflexionsbedingungen sowie Kopfhöhen nur Verlegenheitslösungen. Zudem erfolgt der Zugang meist zwingend durch die Wohnräume und häufig über schmale Treppen oder gar Luken – sehr ungünstig, wenn regelmäßig große/schwere Instrumente hinein- und heraustransportiert werden sollen.
  • Lösungen wie ein Gartenhaus können funktionieren. Sie müssen aber entsprechend groß sein, in jedem Fall beheizt und wegen der meist leichten Konstruktion bestens schallisoliert. Das kann mitunter den Preis in Regionen treiben, in denen ein „echter“ Anbau nur wenig teurer wäre.

Tatsächlich ist der Keller die rundherum beste Option, weshalb es für ernsthaftes Proben auch angestrebt werden sollte, das Zimmer hier unterzubringen.


Basics und Boni für den Proberaum

Ein (Keller-)Raum wird nicht bloß deshalb zum Proberaum, weil er eine kontrollierte Raumakustik hat. Für „echten Probebetrieb“ empfehlen sich zusätzliche Maßnahmen:

  1. Es sollten auf jeden Fall die elektrischen Vorgaben der DIN-18015 erfüllt werden. Das heißt vor allem, eine möglichst hohe Anzahl an Steckdosen und, falls man Instrumente nicht per Funk mit dem Verstärker koppeln will, auch gern Wanddosen für 1/4-Zoll Klinkenstecker.
  2. Je nach Art und Anzahl der Verbraucher (Verstärker, Mischpulte usw.) sollte ggf. ein zweiter Stromzähler integriert sein, damit die jeweiligen Verbräuche getrennt betrachtet werden können.
  3. Der Raum sollte eine Grundfläche von > 30m² aufweisen. Das ist das „Parademaß“ für normalbesetzte Bands.
  4. Ein von der Haustür unabhängiger Zugang (Kellertür) ist sehr sinnvoll. Idealerweise besteht dieser jedoch nicht nur aus einer Treppe, sondern zusätzlich einer Rampe, falls schwere Verstärker etc. regelmäßig transportiert werden müssen.
  5. Die Fenster/Lichtschachtöffnungen sollten sich schnell und werkzeuglos schalldämmen lassen. Dazu sind Dämmmatten, die auf OSB-Platten verklebt sind und in die Fensteröffnung geschoben werden, ein probates Mittel.
  6. In jedem Fall sollte Platz für eine Couch, einen Kühlschrank sowie Regale für zusätzliches Equipment von Anfang an miteinbezogen werden. Auch mit Hinblick auf den Schallschutz.

Fazit

Wer Musik macht und ein Haus baut, tut sehr gut daran, von Anfang an einen Proberaum mit darin zu integrieren. Wenn damit bereits in der Planungsphase begonnen wird, bedeutet es keinen großen Aufwand, auch keine umfangreichen Zusatzkosten und ist meistens den nachträglichen Lösungen haushoch überlegen. Der Keller ist zwar das Nonplusultra dafür, doch auch andere Räume können zum Proberaum gemacht werden – wenngleich praktisch immer mit Abstrichen.

 

Bildquellen:
1) unsplash.com © Joe Ciciarelli
2) unsplash.com © Thomas Litangen