Sehnsucht nach Gemütlichkeit

Die Geburtsstunde des Ohrensessels


Die Geburtsstunde des Ohrensessels

Die Geburtsstunde des Ohrensessels

Im Jahre 1770 schlug im englischen Chesterfield die Geburtsstunde des Ohrensessels, als der Earl Philip Dormer Stanhope seinen berühmten Möbelmacher Robert Adam mit der Aufgabe betraute, einen Sessel zu entwickeln, der Gemütlichkeit mit einer aufrechten Sitzposition vereint. Adam erfand die Ohren des Sessels als Schutz vor Wind und Lärm, die zudem die Gelegenheit für ein Nickerchen boten. Da sein Sessel einen Grafen überzeugen sollte, wählte Adam eine besonders üppige und ausladende Form. Hölzer aus rostrotem Mahagoni, luxuriöse Verzierungen an den Leisten und Polsterfüllstoffe aus Rosthaar, Rinderhaar und zerkleinerten Blätter der Zwergpalme, die in mehreren Schichten aufgenäht wurden, gehörten zur Ausstattung des neuen Sitzmöbels.


Verbreitung auch in deutschen Landen

Der Chesterfield-Sessel sorgte in England, dem Land des ausgeprägten Individualismus, in dem der Slogan „my home is my castle“ geprägt wurde, für positives Aufsehen. In der Folge etablierte er sich auf der Insel und wurde ebenfalls auf dem europäischen Festland dankbar aufgenommen. In Deutschland war der Gipfelpunkt der Popularität in der Epoche des Biedermeiers erreicht, die sich während der Restauration nach den Napoleonischen Kriegen im Vormärz bildete. Der standesgemäße Sessel sorgte für gutbürgerliche Gemütlichkeit, während ein Ohrensessel mit Hocker sogar die Möglichkeit zu einem Mittagsschlaf im Wohnzimmer bot, sodass dafür nicht extra das Schlafzimmer aufgesucht werden musste.


Die Wesenszüge des Ohrensessels

Der Ohrensessel mag hausbacken wirken, jedoch gibt es ihn heute in unterschiedlichen Stilen, sodass er mittlerweile eine breite Stilvielfalt bietet. Seine Kennzeichen sind ein robustes Erscheinungsbild bei hochwertigen Materialien und einer ebenso hochwertigen Verarbeitung. Typisch ist die Verwendung von dekorativen Elementen, damit der Ohrensessel auch auf seine Umgebung ausstrahlt. Insbesondere die Knopfheftung hat sich zu einem Kernelement des Ohrensessels entwickelt.

Ein Ohrensessel stellt ein Refugium im eigenen Haus dar und wird gewissermaßen zu einem Reich im Reich. Neben den namensgebenden „Ohren“ als Kopfschutz und Kopfstütze bietet der Ohrensessel eine eindrucksvolle Rückenlehne, damit sich ein besonders hoher Sitzkomfort realisieren lässt. Einen zusätzlichen Komfort versprechen Armlehnen, wofür es bei einem Ohrensessel zahlreiche Modelle gibt. Zudem gibt es Modelle, die schaukelnde, federnde oder sich drehende Bewegungen mit dem Sessel ermöglichen. Als Accessoire käme ein Sitzschemel für diejenigen in Betracht, die es mögen, beim Sitzen ihre Füße hochzulegen.


Die Materialien des Ohrensessels

Ein typisches Material des Ohrensessels ist Leder, das sich leicht reinigen lässt, unempfindlich gegen äußere Einflüsse ist und sowohl stilvoll als auch bequem ist. Alternativ sind die Bezüge aus Kunststoff, Samt und Lammfell. Während Kunststoff im Winter wärmer hält und im Sommer den Schweiß aufsaugt, ist der Sitzkomfort von einer kuscheligen Gemütlichkeit geprägt, was allerdings zulasten der Reinigungsfähigkeit geht. Insbesondere Haare sind auf Kunststoff schwierig zu entfernen. Wer es besonders warm haben möchte, ist mit einem Bezug aus Lammfell oder Schaffell gut bedient. Höchsten Komfort bietet wiederum der Bezug Samt mit seiner sprichwörtlichen Weichheit.

Als Unterstände für das Sofa werden Holzfüße genutzt, Gleiter und Rollen in Betracht. Während die Holzfüße sichtbar sind, was je nach Geschmack ein Vorteil oder Nachteil ist, bleiben die Unterstände bei Gleitern verborgen. Die Rollen hingegen sorgen für eine einfachere Transportfähigkeit des Sessels und sind besonders für Kunden eine Option, die ihren Sessel viel bewegen möchten. 

Die Optik bei einem Ohrensessel

Ein Ohrensessel ist eine gemütliche Sitzgelegenheit, die einen Raum auch optisch aufwertet. Er erzeugt eine gemütliche Atmosphäre, die sich im gesamten Raum verbreitet. Als Blickfänger fügt er sich entweder in die Grundatmosphäre des Zimmers ein oder setzt gekonnte Kontraste. Gleichzeitig symbolisiert der Ohrensessel eine hohe Lebensqualität, die sich in der Geschichte des Möbelstücks wiederfindet. Speziell in gutbürgerlichen Wohnzimmern war der Ohrensessel ein wichtiges Statussymbol für diejenigen, die im Leben vieles richtig gemacht und vieles geschafft haben. Tendenziell dürfte ein Ohrensessel vor allem ältere Menschen ansprechen, da seine Schwerpunkte nicht Agilität und Dynamik sind, sondern Ruhe, Gemütlichkeit und Geborgenheit.

 

Bildquelle: @ Pixabay