Architektonische Details, die wohlüberlegt sein wollen

Wer ein Haus baut, nimmt, was ihm jetzt gut gefällt und seinem Geldbeutel passt. Allerdings sollte man sich manche Details besonders gut überlegen – denn wenn sie einem nicht mehr gefallen sollten, wird es kompliziert.


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Warum man gut überlegen sollte

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er liebt Änderungen nicht sonderlich. Allerdings gibt es auch den umgekehrten Fall: Man hat sich so sehr an etwas gewöhnt, dass man es leidgeworden ist.

Auch beim Haus kann man sich nach vielen Jahren an Dinge gewöhnen und sie nicht mehr leiden. Zwar ist es heute so leicht wie nie, einen Kredit, um die Sanierungskosten zu stemmen, zu bekommen und zu nutzen. Aber bei gewissen Details des Hausbaus ist das Entfernen bzw. Umarbeiten nicht nur ungleich teurer als neue Böden oder Fenster zu installieren. Es ist auch sehr viel aufwendiger. Und zwar in einem Maß, dass es auch gänzlich unmöglich sein kann, sie nochmals zu ändern.

Dazu gehört vor allem folgendes:

1. Zu viele Raumaufteilungen

Der Trend geht heute zum offenen Wohnen. Das heißt, tendenziell wenigen Wänden, teils auch Stockwerk-übergreifenden Zimmern. Allerdings ist das nicht jedermanns Sache – die Möblierung wird schwieriger, es gibt weniger Rückzugsmöglichkeiten und, falls die Küche ebenfalls offen ist, teils auch Probleme mit Kochdünsten.

Allerdings: Auch wer mit dem offenen Wohnen nicht viel anfangen kann, sollte sich nicht deshalb dazu verleiten lassen, den umgekehrten Weg zu gehen und ein stark unterteiltes Haus zu wählen. Denn selbst wenn es sich um ein Fertighaus in Ständerbauweise handelt, erst recht bei Massivhäusern, sind Wände nachträglich zumindest nur unter erheblichem Aufwand und enormer Schmutz- und Staubbelastung zu entfernen.

Und das gilt nur, wenn sie nicht tragend sind. In diesem Fall ist der Aufwand noch um ein Vielfaches größer und teilweise auch unmöglich.

Umgekehrt muss man bedenken, erst recht mit Blick auf Trockenbautechniken, dass eine nachträgliche Wand sehr viel leichter einzuziehen ist.


2. Kein Keller

Grundstücke werden immer teurer, das Bauen dank der Niedrigzinsphase ebenfalls. Heizungen stehen häufig hinter dem Haus, Kartoffeln lagert auch niemand mehr en Gros ein. Kein Wunder, dass Jahr für Jahr immer mehr Bauherrn auf ein Untergeschoss verzichten und sich – so der Glaube – dabei viele zehntausend Euro sparen.

Allerdings ist es bereits ein Irrglaube, dass Bauen ohne Keller maßgeblich günstiger wäre. In der Realität sind es nur einige tausend Euros. Für diese, im Vergleich zum Gesamtpreis des Hauses recht geringe, Ersparnis verzichtet auf einen erheblichen Teil von Nutzfläche. Und das wird sich, falls man diese benötigt, bitter rächen.

Denn einen Keller nachträglich unter ein Haus zu ziehen, ist zwar möglich, aber ganz enorm aufwendig. Und falls man eine andere Form von „Keller-Ersatzraum“, etwa eine Garage, bauen lässt, geht das vom eigenen Grundstück ab – und ist pro Quadratmeter ebenfalls wesentlich teurer, als von Anfang an auf einen Keller zu setzen.


3. Mauern als Einfriedung

Es gibt durchaus gute Gründe, sein Grundstück zu ummauern. Kaum eine Einfriedung kommt auf einen derartig hohen Einbruchschutz. Und auch der Sichtschutz ist schlicht phänomenal. Doch auch das kommt zu einem ziemlichen Preis.

Denn je höher eine Mauer ist, desto mehr schattet sie ab. Mehr noch, sie reduziert die Luftdurchmischung auf dem Grundstück. Je nach Lage und Ausdehnung kann das für regelrechte Feuchtigkeitsprobleme sorgen – und schlecht wachsenden Pflanzen obendrein.

Hinzu kommt, dass eine Mauer tiefe Fundamente benötigt. Wenn das alles mal entfernt werden soll, wird es teuer, schmutzig und der Garten leidet. Dagegen sind einige einbetonierte Pfosten, zwischen denen vorgefertigte Zaunelemente montiert werden, das ungleich kleinere Übel – und so einbruchsgefährdet, dass hohe Mauern notwendig wären, sind Normalverbraucher in Deutschland i.d.R. auch nicht.


4. Zu große Glasfronten

Viel Tageslicht. Das ist nicht nur der Wunsch vieler Bauherren, sondern steht auch bei vielen Architekten ganz oben auf der Agenda. Und es ist auch in vielen Häusern sehr sinnvoll. Wer allerdings vorhat, noch mehr große Glasflächen zu haben, als beispielsweise eine durchgehende Fensterfront im Treppenhaus, sollte ebenfalls scharf überlegen.

Egal wie energetisch hochwertig dieses Glas ist, die Sonnenstrahlen durchdringen es – und erwärmen den Innenraum. Im Winter ist das bei einer nach Süden weisenden Glasfront toll. Im Sommer jedoch häufig viel zu viel des Guten. Ebenso wie das Licht, dass von manchen als zu gleißend bezeichnet wird.

Außerdem sollte man ganz nüchtern den Putzaufwand bedenken – und die Tatsache, dass ab einer gewissen Glasfläche kein vollwertiger Sichtschutz im Stil eines Rollladens mehr möglich ist, sondern nur Vorhänge und leichte Jalousien.

Was jedoch noch schwerer wiegt: Sollte man diese starke Verglasung irgendwann nicht mehr mögen, lassen sich die Flächen zwar zumauern. Dann aber braucht es einen sehr guten Architekten, damit sichergestellt ist, dass danach das Haus nicht zu dunkel ist – das ganze ursprüngliche Lichtkonzept war ja auf viel Tageslicht abgestimmt.


5. Kein Vorgarten

Vorgärten machen Arbeit, viel Arbeit – zumindest lautet so der Glaube vieler. Kein Wunder also, dass der Trend zu stark reduzierten Vorgärten geht, bis hin zu mit Steinen bedeckten oder gleich gepflasterten Flächen.

Doch auch das hat Nachteile. Denn einen derartigen „Steingarten“ von omnipräsentem Bewuchs und im Herbst auch Laub freizuhalten ist nicht minder aufwendig als das Mähen eines stattdessen angelegten Rasens.

Zudem gehen immer mehr Kommunen gegen derartige Vorgärten vor, Verbote sind zu befürchten – Hintergrund ist, dass ein Mangel an Bewuchs auch einen Mangel an Lebensraum für Fauna und Flora bedeutet.

Für Hausbesitzer dürfte aber vor allem folgendes zählen: Einen derartigen Vorgarten dereinst nochmals zu entfernen und einen „richtigen“ Garten anzulegen, wirkt fast wie eine rückwärts ablaufende Grundstücks-Gründung im Kleinformat. Ebenfalls nichts, was man als selbst als versierter Hobbygärtner in Eigenregie durchführen könnte.


Zusammengefasst:

Diese Punkte sollen Bauherrn definitiv nicht die Lust auf Glasfronten, Steingärten und Co. verleiden. Aber sie sollen zum Nachdenken anregen. All den Sachen dieses Artikels gemein ist, dass sie sehr trendig sind. Und bei den meisten Trends kommt irgendwann der Bruch, an dem die einstige Trendigkeit mitunter besonders auffällig heraussticht.


Bildquellen:
1) unsplash.com © Sven Mieke
2) unsplash.com © Sylvia Zhou