Was ist ein Fachwerkhaus?

Fachwerkhaus
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Fachwerkhaus, traditionelle und aktuelle Handwerkskunst
Ein Fachwerkhaus besteht aus einem Art Skelett aus verstrebten Holzbalken. Dieses Stützskelett trägt das gesamte Fachwerkhaus. Die jeweiligen Zwischenräume, auch Gefach genannt, sind mit einem lehmbeworfenen Holzgeflecht ausgefüllt oder mit Back-oder Bruchsteinen ausgemauert. Sie können aber auch mit Lehmbausteinen verbaut oder verputzt sein. Verwendete Holzarten sind Eiche (am meisten eingesetzt) oder gelegentlich auch Tanne. Diese Hölzer sind, entsprechend vorbehandelt, witterungsbeständig und widerstandsfähig gegen Fäulnis. Seinen Ursprung hat der Fachwerkbau in der frühgeschichtlichen Bauweise mit Pfosten und den dann folgenden Firstsäulenhäusern. Diese hatten im Erdreich eingegrabene Wandpfosten. Dann entwickelte sich seit dem Mittelalter, bis ins 19. Jahrhundert hinein, in Mitteleuropa die Bauart Fachwerkhaus. Dabei liegen die Wandpfosten auf so genannten Schwellbalken auf. Heute gibt es in Deutschland nur noch einige Baufirmen, die sich mit traditionellem Fachwerkbau beschäftigen. Moderne Holzhäuser entstehen heute als Holzrahmenbau oder Holztafelbau. Bei allen Holzbauten ist, früher wie heute, die langjährige Erfahrung des Handwerkberufs Zimmermann gefragt.

Was ist das Besondere an einem Fachwerkhaus?
Jedes Fachwerkhaus hat seinen eigenen, ganz besonderen Charme. Die meist dunklen Balken und deren Kontrast zum oft weißen Füllmaterial bilden einen eigenen Reiz. Dazu kommen schmucke Gestaltungen an den Balken in Form von Inschriften, Mustern oder geschnitzten Reliefs. Dabei entstanden drei Stilarten:
Das alemannische (Südwestdeutschland), fränkische (z. B. Franken, Thüringen) und das niedersächsische (Norddeutschland) Fachwerk mit jeweils regional typischen Schmuckformen (z.B. Andreaskreuz, diverse Friese).
Die ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands (um 1260 gebaut) stehen nach neuesten Erkenntnissen in Esslingen am Neckar. Neben der hübschen Optik bietet ein Fachwerkhaus weitere Vorteile. Es besticht durch extreme Stabilität dank des robusten, tragenden Balkengerüstes. Externe Einwirkungen unterschiedlichster Art können diesem, oft gar nicht sichtbaren Skelett nichts anhaben. Dazu kommt eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse. Bemerkenswert der hohe Isolierungseffekt und das gesunde Raumklima in einem Fachwerkhaus. Nicht zu vergessen sind der hohe historische Wert und somit die touristische Aktualität dieser Jahrhunderte alten Baukunst.

Altes Fachwerkhaus kaufen oder neues bauen?
Fans des Fachwerkbaus stehen oft vor der Frage, ob Sie ein günstiges, altes Haus im Fachwerkstil kaufen oder ein modernes, neues von Baufirmen bauen lassen sollen. Dabei bedarf es etlicher Überlegungen. Zwar sind so alte schöne Häuser oft von der Anschaffung her kostengünstig, bergen aber auch Gefahren. Meist ist, wegen der Denkmalschutzbestimmungen, kaum eine äußere Veränderung am Haus möglich. Andererseits kommen mit Sicherheit irgendwann Sanierungsarbeiten auf den Hausbesitzer zu. Das bringt eventuell mehr Ausgaben als das ursprünglich beim Hauskauf gesparte Geld. Die fast immer sehr kleinen Fenster lassen wenig Licht in die oft relativ engen Räume. Leider besteht, ebenfalls wegen Denkmalschutz, dann kaum die Möglichkeit, größere Fenster einzubauen. Wegen der heute strengen Brandschutzbestimmungen kann es zusätzliche Probleme geben. Neue moderne Häuser, die sich Fachwerkhäuser nennen, sind zwar bautechnisch und vom Design her toll, ihnen fehlt aber der Charme der echten Fachwerkhäuser. Alternative ist dann, bei einer der wenigen Baufirmen, die noch traditionelle, schmucke Fachwerkhäuser herstellen, nachzufragen. Dort haben Sie kompetente Leute, die viel von traditioneller Fachwerkkunst verstehen und auch individuelle Wünsche erfüllen können. Ohne Renovierungsängste erhalten Sie dann viel Nostalgie und einen Fachwerkbau auf eigenem Grund.

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