Gesundes Bauen

Interview der Firma Baufritz mit Herrn Stefan Schindele


Gesundes Bauen

Gesundes Bauen.

Stefan Schindele
Baubiologe IBN
Baubiologischer Messtechniker IBN
Staatl. gepr. Bautechniker
Freiberuflich tätig seit 2005

Angaben zu meiner Person und zentralen Tätigkeiten finden Sie auch unter: www.baubiologie-schindele.de

Interview

Redaktion: Gibt es aus Ihrer Sicht ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein bei Bauherren?

Schindele: Die Bauherren kommen aus unterschiedlichem Antrieb zu uns, teils aus Qualitäts- oder Designansprüchen, viele aber auch aus gesundheitlichen Gründen. Vor allem wenn sie Probleme in ihrer bisherigen Wohnung haben. Hier belasten oft noch Holzschutzmittel, Lösemittel, schwerflüchtige Substanzen wie PCB, Weichmacher oder aber Schimmelpilze die Bewohner. Nicht wenige Kunden sind durch Allergien, Krankheiten oder Elektrosensibilität vorbelastet, wenn sie mit uns in Kontakt treten.

Red.: Sind die Kunden bereit, für ein gesundes Wohnumfeld tiefer in die Tasche zu greifen? Wie viel teurer ist ein wirklich gesundes Haus?

Schindele: Wenn Sie ehrlich vergleichen, werden Sie feststellen, dass ein Baufritz-Haus keineswegs teurer ist als Häuser anderer Anbieter, wenn alle gesundheitlich relevanten Punkte seriös abgedeckt werden sollen. Aspekte wie emissionsgeprüfte Materialien, Hochfrequenzschutz in der Gebäudehülle, geschirmte Leitungsführung, entmagnetisierte Stahlbauteile und vieles mehr sind in jedem Baufritz-Haus Standard!

Viele Baufirmen werben mit „gesundem Bauen“, aber was versteht man darunter? Wir berücksichtigen alles, was gesundheitsschädlich sein kann, erfassen es seriös durch hochwertige Messtechnik und bieten effektive Lösungen an.

Red.: Können Sie das konkreter fassen?

Schindele: Manche Hersteller sprechen von einem „Biohaus“, wenn sie die Mineralwolledämmung gegen Zellulose austauschen. Erfahrungsgemäß müssen wir feststellen, dass nicht nur die Dämmung, sondern möglichst alle am Bau eingesetzten Materialien emissionsmäßig erfasst werden müssen, also z.B. auch Farben, Lacke oder Kleber. Wir verlassen uns nicht nur auf die Herstellerangaben, sondern führen eigene Prüfkammer-Messungen durch.

Red.: Angesichts der Energiesparwut: Ist da überhaupt Platz für biologische Anliegen? Die Energieeinsparverordnung EnEV schaut ja nur, was unterm Strich rauskommt.

Schindele: Ein energieeffizientes Haus erfordert eine dichte Gebäudehülle. Früher erzeugten Undichtigkeiten z.B. an den Fensteranschlüssen, einen natürlichen Luftaustausch und dadurch gleichzeitig eine Verdünnung möglicher Schadstoffkonzentrationen wie Formaldehyd. Um auch bei energieeffizienten Gebäuden eine hohe Raumluftqualität zu gewährleisten, gewinnt die Baubiologie zunehmend an Bedeutung.

Red.: Eine kontrollierte Lüftung ist fast unumgänglich. Lauern da aber nicht neue Hygiene-Gefahren?

Schindele: Bei zentralen Be- und Entlüftungssystemen strömt die Zuluft erst über viele Meter durch ein Rohrsystem. Wir haben noch keine Langzeiterfahrungen, wie diese Systeme nach 20 oder 30 Jahren Nutzung aussehen. Wie groß ist die Gefahr der Verkeimung? Deshalb haben wir ein System entwickelt, bei dem die Längen der Zuluftleitungen geringstmöglich gehalten werden und gleichzeitig einfach reinigbar sind. Zudem handelt es sich um eine echte Bedarfslüftung mit Wärmerückgewinnung. Sensoren messen den Gehalt an CO2 und VOCs (flüchtige Verbindungen, Anm. d. Red.) in der Raumluft. Wenn die Luftqualität abnimmt, wird die Lüftungsleistung automatisch erhöht. Das spart auch eine Menge Energie.

Red.: Der Begriff „Baubiologe“ ist nicht ganz unproblematisch. Wo werden gute Baubiologen ausgebildet?

Schindele: Leider handelt es sich beim Baubiologen nicht um einen geschützten Titel, sodass es sich lohnt, sich nach dessen Qualifizierung zu erkundigen. Das Institut für Baubiologie und Ökologie IBN in Neubeuern bietet seit 1977 den staatlich zugelassenen Fernlehrgang Baubiologie an. Der Fernlehrgang führt zum Abschluss "Baubiologe IBN" bzw. "Baubiologin IBN". Weiterführend werden Spezialisierungen im Bereich Energieberatung, Gestaltung oder Messtechnik angeboten.

Gut qualifizierte und versierte Kollegen sind im Umfeld des IBN, Dr. Moldan, der Baubiologie Maes, sowie des Berufsverbandes deutscher Baubiologen zu finden. Wer Messungen baubiologischer Art beauftragen möchte, kann sich an der PLZ-gestützten Messtechnikerliste auf der Internetseite des IBN orientieren.

Red.: Welche baubiologischen Themen beschäftigen Bauherren am meisten?

Schindele: Das hängt sehr stark vom Einzelfall ab. Elektrosmog ist für viele ein wichtiges Thema, vor allem Mobilfunk. Ich spreche jedoch lieber von technischen Feldern als von Elektrosmog. Hochfrequente Mobilfunkstrahlung ist nur einer von fünf Bereichen, die hier eine Rolle spielen. Viele wissen, dass die gesetzlichen Grenzwerte hier sehr hoch angesetzt sind und keine echte Gesundheitsvorsorge bieten. Wir plädieren deshalb für einen sinnvollen, bewussten Umgang mit diesen Techniken. Durch Rufumleitung vom Handy aufs schnurgebundene Festnetz oder durch Kabelverbindung statt WLAN kann man die Strahlendosis einfach und wirksam reduzieren. Baulich bieten wir einen Basisschutz durch spezialbeschichtete Naturgipsplatten in Außenwand und Dach. Die Karbonfaser sorgt dafür, dass die Einflüsse z.B. durch umliegende Mobilfunksendeanlagen zu 95 Prozent reduziert werden.

Red.: Aber sind nicht Fenster- und Glasflächen Schwachstellen?

Schindele: Das war lange Zeit so. Bei modernen Wärmeschutzverglasungen ist eine Scheibe mit einer Metallschicht bedampft, die nicht nur den Energieverlust verringert, sondern auch Strahlung äußerst effizient schirmt.

Red.: Welches sind die anderen Bereiche beim Elektrosmog?

Schindele: Zunächst gibt es ein elektrisches Wechselfeld, das entsteht, wenn eine Leitung unter Spannung steht. Pro Haus werden immerhin ein bis zwei Kilometer Leitungen verlegt! Baufritz installiert seit vier Jahren ausschließlich geschirmte Leitungen im gesamten Gebäude, die eine Ausbreitung dieser Felder verhindern. Magnetische Wechselfelder sollten im Rahmen einer baubiologischen Grundstücksanalyse geprüft werden, vor allem, wenn sich Bahntrassen, Trafohäuser oder Hochspannungsleitungen in der Nähe befinden. In diesem Fall sind Langzeitanalysen wichtig, da die Stärke der Felder im Tagesverlauf stark schwanken kann.

Red.: Was ist mit der statischen Aufladung?

Schindele: Das ist der vierte Bereich: elektrische Gleichfelder. Das Phänomen kennt jeder: Synthetische Materialien laden sich auf durch Reibung, und beim Griff an die Türklinke kriegen Sie eine „gewischt“, weil es zur plötzlichen Entladung kommt. Was die wenigsten wissen: Die elektrischen Gleichfelder haben unmittelbare Auswirkungen auf das Raumklima.

Red.: Wie das?

Schindele: Wenn wir die Fenster öffnen, um zu lüften, gelangt eine Vielzahl negativer Sauerstoffionen in den Raum und erzeugt den Eindruck: frische Luft! An synthetischen, statisch aufgeladenen Oberflächen kommt es zu Entladungsprozessen, die Anzahl an Sauerstoffionen wird stark dezimiert und dadurch die Luft schnell wieder schlecht. Wir achten deshalb auf natürliche Oberflächen, z.B. reine Naturharz-Dispersionsfarben, naturgeöltes Parkett und Naturfaserteppiche, die sich nicht elektrostatisch aufladen können. Resultat ist ein hervorragendes Raumklima. Das Ionenverhältnis der Luft wird mit Ionometern überprüft.

Red.: Fehlt noch ein Feldbereich.

Schindele: Die magnetischen Gleichfelder. Wir sind bestrebt, im Raum möglichst das natürliche Erdmagnetfeld wiederzugeben. Stahlträger oder andere Metallbauteile werden beim Transport jedoch magnetisiert, was dazu führen kann, dass sogar ein Kompass völlig falsche Himmelsrichtungen anzeigt. Baufritz hat in eine neuartige Anlage investiert, in welcher Stahlbauteile vor Einbau entmagnetisiert werden.

Red.: Lohnt sich denn der Aufwand? Die Auswirkungen des Elektrosmog sind ja höchst umstritten.

Schindele: Nicht jeder Körper reagiert gleich sensibel auf die Einwirkungen von Feldern, jedoch nimmt die Anzahl elektrosensibler Personen stetig zu. Wir sehen unsere Aufgabe darin, aus Gründen der Gesundheitsvorsorge, Einflüsse dieser Art vorbeugend zu reduzieren.

Red.: Ernsthafte Baubiologie kommt offenbar ohne einen gewissen Gerätepark nicht aus.

Schindele: Das stimmt, da kommen schnell 100.000 Euro zusammen. Für die qualifizierte Messung hochfrequenter Mobilfunkstrahlung verwenden wir moderne Spektrumanalysatoren. Niederfrequente Felder misst man mit einer potenzialfreien Würfelsonde, die Raumluft mit speziellen Probenahmepumpen, sowie dem bereits erwähnten Ionometer, und auch für Magnetfelder gibt es dreidimensionale Aufzeichnungsgeräte. Für die Emissionsbewertung von Baumaterialien haben wir mit Hilfe eines Photoionisationsdedektors ein vereinfachtes Prüfkammerverfahren entwickelt.

Red.: Und die gute alte Wünschelrute?

Schindele: Es gibt zwei Möglichkeiten, um geologische Störungen zu erfassen: die klassische mit Wünschelrute oder die physikalische mit Messtechnik, die wir bevorzugen. Mit einem Szintillationszähler wird das Grundstück abgescannt, um es anhand von natürlicher, radioaktiver Gammastrahlung, nach Verwerfungen oder Wasseraktivitäten zu untersuchen. Es empfiehlt sich, sensible Schlaf- und Ruhebereiche nicht über geologischen Auffälligkeiten zu planen.

Red.: Woher weiß der Bauherr, dass ein Produkt einwandfrei ist. Es gibt viele Siegel, aber wirklich erhellend sind die nicht, oder?

Schindele: Tatsächlich existiert eine Vielzahl von Siegeln am Markt, welche häufig jedoch keinen umfassenden Schutz bieten. Baumaterialien mit „Natureplus“-Zertifikat oder „EC1-Plus“-Label wurden einer offiziellen Emissionsprüfung unterzogen und bieten den Bauherren eine Orientierungshilfe. Baufritz unterstützt Bauherren, vor allem diejenigen, die ein Ausbauhaus errichten, bei der Materialauswahl mit einer Produktempfehlungsliste. Außerdem führen wir nach Abschluss der Bauarbeiten noch eine aktive Raumluftmessung mit gaschromatografischer Laborauswertung durch.

Red.: Und wenn die Leute ihre alten Möbel mitbringen?

Schindele: Das kann in der Tat problematisch sein. Bei älteren Spanplatten war der Formaldehydgehalt sehr hoch, diese Platten gasen auch nach 20 oder 30 Jahren noch aus.